• Daniela

Jetzt.

Jetzt! ist die Zeit, um den Moment zu leben. So, wie er ist – nicht so, wie wir ihn uns vorgestellt haben. Mit dem tiefen Vertrauen, dass alles gut wird.


In den letzten Wochen haben wir uns der Angst vor dem Unbekannten gestellt. Versucht, Gewohnheiten zu ändern und es vielleicht auch geschafft, uns neugierig auf das Neue einzulassen. Doch die Angst scheint immer noch da zu sein. Vielleicht nicht mehr vor dem Unbekannten. Vielleicht aber vor der ungewissen Zukunft.

Viele von uns wurden von heute auf morgen aus ihrem Alltag geworfen. Konnten ihre Berufe, oftmals vielleicht sogar Berufungen, nicht mehr ausüben. Die Frage bleibt: wer zahlt Miete, Versicherung, und Steuern? Aus Angst vor der Zukunft hängen wir oftmals an vergangenen, geschäftstüchtigen Zeiten


atha yoganuśasanam

Bereits vor über 1500 Jahren hat der indische Gelehrte Patanjali in den Yoga Sutren das Leben im Hier und Jetzt als eine der wesentlichen Eigenschaften des Yoga beschrieben. atha yogaanuśasanam. So lautet die allererste Sutra: Die Einführung in Yoga startet jetzt! Im Hier und Jetzt beginnt der Weg zur Auflösung des Leidens. Und dieser Moment bedarf unserer vollkommenen Aufmerksamkeit.

Atha, nun also, beginnt der Weg, der uns zur Erfahrung unserer wahren Natur, unserer unzerstörbaren inneren Wahrheit führen kann. Patanjali fordert uns auf, die Richtung zu ändern – vom Außen ins Innen. Uns unabhängig zu machen von Dingen, die sich unserer Kontrolle entziehen.


Leben: Im Hier und Jetzt

Doch warum fällt es uns oftmals so schwer, wirklich im Moment zu leben? Für Eckhart Tolle ist die Antwort klar. Wir identifizieren uns mit unserem Verstand. In seinem Klassiker „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ zeigt er Wege auf, sich aus der Versklavung in zwanghaftes Denken zu befreien. Der gegenwärtige Moment enthält den Schlüssel zu Befreiung. Diesen Moment, so Tolle, können wir nur finden, wenn wir uns von unserem Verstand lösen. Der Ego-kranke Verstand sei ständig damit beschäftigt, die Vergangenheit am Leben zu erhalten. Denn, so fragt er, ohne die Vergangenheit – wer sind wir da überhaupt?


Wir sehen und beurteilen die Gegenwart durch die Augen der Vergangenheit.


In der Zukunft wiederum suchen wir Rettung oder Erfüllung. Dadurch entfernen wir uns von unserem wahren Selbst, unserer inneren Wahrheit. Doch wie können wir uns von der Sklaverei des Verstandes befreien, der uns unentwegt von der Vergangenheit in die Zukunft führt? Beobachte deine Gedanken, vorurteilslos, verdamme sie nicht. Verdamme dich nicht dafür, dich an die Vergangenheit zu klammern und ängstlich in eine unsichere Zukunft zu schauen. Der Gedanke verliert so an Macht über dich und lässt schnell nach.


Die Gegenwart, so Tolle, wird vom Verstand nur dazu benutzt, um ein Ziel zu erreichen, das in der Zukunft liegt. Wahrhaftig gegenwärtig zu sein bedeutet hingegen, dass wir uns eben nicht bemühen, uns von Anhaftung oder Emotionen zu befreien. Im Moment zu leben bedeutet, allen Sinneswahrnehmungen, die zu einem bestimmten Augenblick gehören, Aufmerksamkeit zu schenken. Die Aufmerksamkeit vollkommen auf das Jetzt richten. Was kann ich hören? Was kann ich schmecken? Was kann ich fühlen und sehen? Wach und aufmerksam sein, ohne zu denken. Das ist der Anfang vom Ende des unbeabsichtigten zwanghaften Denkens. Was folgt, sind die stillen Momente.


Und es gibt sie. Die wertvollen Augenblicke, in denen der Verstand „sprachlos“ ist, und wir voll und ganz im Moment leben.


Diese kontemplativen Momente, in denen es nichts zu geben scheint als den gegenwärtigen Augenblick. In diesen Momenten existiert keine Vergangenheit, keine Zukunft. Solche Erfahrungen entstehen jenseits des Verstands. Sie sie sind der Schlüssel zu deiner inneren Wahrheit, die tief in dir ruht und dich frei macht von äußeren Unwägbarkeiten.


Alles ist verbunden

Schneller, weiter, höher – die Chance besteht, dass das der Vergangenheit angehört.

Das viele Rennen und Reden ist in vielen Bereichen unseres Alltags zum Halten gekommen. Manche haben gelernt: Verzicht muss nicht unbedingt Verlust bedeuten. Kann vielleicht sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Die Ellenbogengesellschaft ist einem Füreinander und Miteinander gewichen. Nachbarschaftshilfe hat einen ganz neuen Wert bekommen. Es besteht die Hoffnung, dass viele erkannt haben, dass auch wir Menschen nur Lebewesen inmitten anderer Lebensformen sind.


All das verpassen wir, wenn wir an der Vergangenheit hängen oder sorgenvoll in die Zukunft schauen. Wir werden uns später daran erinnern können – aber wir werden es nicht erlebt haben.


Jetzt! ist die Zeit, um den Moment zu leben. So, wie er ist – nicht so, wie wir ihn uns vorgestellt haben. Mit dem tiefen Vertrauen, dass alles gut wird.


Die Erde darf aufatmen. Und wir dürfen aufatmen.

Lokha Samastha Sukhino Bhavantu. Mögen alle Wesen auf dieser Welt verbunden sein, in Harmonie sein und Glück erfahren.


Jetzt. Philosophie-Kommentar im Mai 2020 für Bali Yoga Wien.

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